Open Source Board Dortmund gegründet: Digitale Souveränität beginnt vor der Haustür
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#Open-Source
Über digitale Souveränität wird viel in Brüssel und Berlin gesprochen. Im Juli haben wir deshalb geschrieben: Genug geredet! Schon damals war Dortmund unser Beispiel dafür, wie digitale Souveränität konkret wird. Entschieden wird sie aber oft vor Ort: in der Stadtverwaltung, die ihre Software beschafft, im mittelständischen Unternehmen, das seine Abhängigkeiten kennen muss, an der Hochschule, die die nächsten Entwicklerinnen und Entwickler ausbildet. Genau hier setzt das neue Open Source Board Dortmund an.
Die Gründung
Gegründet wurden die Open Source Factory und das Open Source Board Dortmund im Rahmen der Digitalen Woche Dortmund im Projektspeicher. Die Initiative ist aus der Zusammenarbeit von DO-FOSS, der Initiative für Freie und Offene Software für Dortmund, und dem Fachkreis Digitale Souveränität des Mittelstandsverbands BVMW entstanden.
Den Auftakt machte Hendrik Ebbers mit seinem Vortrag „Auf Augenhöhe: Wie Open-Source-Stiftungen gemeinsame Entwicklung organisieren“. In Stiftungen wie der Eclipse Foundation, der Apache Software Foundation oder der Linux Foundation bestimmt kein einzelnes Unternehmen, was in die Software kommt. Stattdessen gilt eine offene Governance: Wer mitarbeitet, entscheidet mit, egal wie groß das Unternehmen oder das Budget ist. So sitzen Konzerne, mittelständische Unternehmen und öffentliche Verwaltung am selben Tisch.
Aus seiner Arbeit im Board of Directors der Eclipse Foundation und in Gremien der Linux Foundation erklärte Hendrik, wie Projekte entstehen, wie dort entschieden wird, worin sich die Stiftungen unterscheiden und was eine Organisation tun muss, um mitzugestalten, statt nur zu konsumieren. Genau dieses Prinzip ist auch die Grundlage für das Open Source Board Dortmund.
Danach stellte Katharina Flisikowski, Koordinatorin für Digitale Souveränität und Open Source der Stadt Dortmund, die neue Open-Source-Strategie der Stadt vor: wie sie entstanden ist und welche Leitgedanken sie trägt.

Katharina Flisikowski stellt die neue Open-Source-Strategie der Stadt Dortmund vor. Foto: Torsten Tullius
Auf dem Gründungspodium stellten die Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Bereiche die Idee vor und diskutierten, wie es weitergehen soll: Hendrik Ebbers (Open Elements), Till Schäfer (DO-FOSS), Christopher Reinbothe (Mausbrand Informationssysteme), Katharina Flisikowski (Koordinatorin für Digitale Souveränität und Open Source der Stadt Dortmund) und Thorsten Hülsmann (Open Logistics Foundation). Moderiert hat Kai Bünseler.

Das Open Source Board Dortmund bei seiner Gründung auf der #diwodo. Foto: Torsten Tullius
Das komplette Gründungspodium gibt es als Video:
Warum ein Board für eine Stadt?
Dortmund ist beim Thema Open Source schon lange Vorreiterin. Die Stadt hat früh auf „Open Source first“ gesetzt, eine eigene Koordinierungsstelle für Digitale Souveränität und Open Source eingerichtet und arbeitet mit anderen Kommunen zusammen. Was bisher fehlte, war ein Ort, an dem alle Beteiligten aus der Region regelmäßig zusammenkommen.
Das Board soll genau das sein: ein kooperatives Gremium, in dem Verwaltung, Forschung und Lehre, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ihre Perspektiven zusammenbringen. Denn Open Source funktioniert nur, wenn Nutzerinnen und Nutzer, Entwicklerinnen und Entwickler und alle, die Software betreiben und pflegen, miteinander reden.
Entsprechend hat das Board vier Gründungsmitglieder, eines für jeden Bereich: die Stadt Dortmund für die Verwaltung, die Open Logistics Foundation für Forschung und Lehre, DO-FOSS für die Zivilgesellschaft und den Fachkreis Digitale Souveränität des BVMW für die Wirtschaft.
Offen für alle: die Regeln des Boards
Wie ernst das Board das Thema Offenheit nimmt, zeigt sich schon am Start: Charter, Code of Conduct und Compliance Guidelines wurden nicht nur erarbeitet, sondern öffentlich ausgehängt. Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker und viele weitere Gäste haben die Gelegenheit genutzt, sich die Regeln des Boards genau anzusehen. Genau so sollte Open Source auch in der Stadtgesellschaft funktionieren: transparent und für alle nachvollziehbar.
Das war ausdrücklich so gewollt. Hendrik Ebbers: „Das Open Source Board Dortmund muss so inklusiv wie möglich gestaltet werden. Auch wenn es vier Gründungsmitglieder gibt, wollen wir das Ganze so schnell wie möglich erweitern. Deshalb haben wir jeden Gast gebeten, unsere ausgehängte Charter kritisch zu prüfen und zu kommentieren.“
Oder, wie Hendrik es an dem Abend zuspitzte: „Es ist nicht das Closed Source Board Dortmund, es soll offen sein! Daher wünsche ich mir Feedback.“
Offenheit heißt für Hendrik dabei auch, verständlich zu sein: „Ein wichtiger Teil des Boards ist es, zu informieren. Eine Idee kann sein, unsere Themen in Leichter Sprache zu erklären.“

Die Charter des Boards hing Seite für Seite zum Nachlesen aus.

Auch die Compliance Guidelines konnten alle Gäste vor Ort lesen.
Wer nicht vor Ort war, kann alle drei Dokumente online nachlesen. Sie liegen ganz im Open-Source-Stil in einem offenen Repository auf Codeberg: Charter, Code of Conduct und Compliance Guidelines.
Die Rolle der Wirtschaft
Hendrik vertritt im Board die Wirtschaft. Für Open Elements ist das eine logische Fortsetzung dessen, was wir täglich tun: Wir pflegen kritische Open-Source-Komponenten, arbeiten in Foundations wie der Eclipse Foundation und der Linux Foundation mit und unterstützen Unternehmen und Verwaltungen dabei, Open Source verlässlich einzusetzen.
Ein Sitz für die Wirtschaft ist allerdings nur so stark wie seine Legitimation. Hendrik möchte deshalb ein Verfahren schaffen, über das alle Dortmunder Unternehmen mitbestimmen können, wer sie im Board vertritt.
Wie es weitergeht
Kurz nach der Gründung gab es bereits den ersten großen Schritt: Am 1. Oktober hat der Rat der Stadt Dortmund die Strategie zur Stärkung der digitalen Souveränität der Stadtverwaltung einstimmig beschlossen, die Katharina Flisikowski an diesem Abend vorgestellt hatte.
Auch das Board selbst war in der Ratssitzung Thema: Die Partie "Die Linke" hat sich dort sehr positiv zur Gründung des Open Source Boards geäußert.
Die Strategie versteht sich ausdrücklich als Anfang und nicht als fertiges Werk. Sie soll innerhalb der Stadtverwaltung ein gemeinsames Verständnis schaffen, auf dem weitere Maßnahmen und Ideen aufbauen. Und sie ist ganz im Sinne von Open Source angelegt: Sie steht allen Akteurinnen und Akteuren des kommunalen Ökosystems zur Verfügung, um darüber zu diskutieren, Teile davon zu übernehmen oder sie gemeinsam weiterzuentwickeln. So wie der Impuls für die Strategie aus der Zivilgesellschaft kam, insbesondere von DO-FOSS, soll auch ihre Weiterentwicklung gemeinsam mit der Gesellschaft geschehen.
Katharina bringt es auf den Punkt: „Digital souverän sind wir nur gemeinsam!“
Genau dafür ist das Open Source Board da: als Ort, an dem Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diesen Weg gemeinsam gehen.
Das Board hat inzwischen die Arbeit aufgenommen. In der ersten Sitzung ging es zunächst um die Grundlagen: Die Mitglieder haben sich auf eine gemeinsame Infrastruktur verständigt, von Mail, Cloud und Kalender über feste Termine bis zu den Räumlichkeiten.
Als Nächstes steht ein Update der Charter an. Der öffentliche Aushang hat sich gelohnt: Es kam viel Feedback zusammen, und das fließt jetzt in die nächste Version ein.
Das Ziel für die kommenden Monate ist klar: Bis zum Jahresende soll das Board vollständig arbeitsfähig sein und bereits die ersten Projekte starten.
Wer in Dortmund und Umgebung an Open Source arbeitet oder es einsetzt und sich einbringen möchte, erreicht das Board unter info@opensourceboard-dortmund.org. Natürlich können Sie sich auch direkt bei uns melden.
In Kürze geht außerdem unter opensourceboard-dortmund.org eine erste Website des Boards online.